Unser 10-jähriges Jubiläum

„Menschen sind froh, dass es sie gibt“

21.11.2011 - IDSTEIN

Wiesbadener Tagblatt

NÄCHSTENLIEBE Zehn Jahre Hospizbewegung im Idsteiner Land / Verständnis für Leben, Leiden und Sterben

Eine Putzfrau - mit erkennbarem Schalk im Nacken - staubte am Eingang zum Gerberhaus jeden einzelnen Besucher ab, und es waren viele, die zum Sektempfang mit kulinarischen Leckereien im Rahmen des Festprogramms zum zehnjährigen Bestehen der Hospizbewegung im Idsteiner Land kamen.

Thematisch passende Malereien und Objekte, eine Kunstausstellung der Galerie „Artefact“, eines Zusammenschlusses aus insgesamt sechs Künstlern und Künstlerinnen, boten unter dem Motto „Die Kunst spricht von Seele zu Seele“ nach Oskar Wilde einen auch optisch perfekten Rahmen für die Veranstaltung, der eine ökumenische Andacht in der Unionskirche vorausgegangen war.

Bei den Festlichkeiten stehe die Dankbarkeit im Vordergrund, sagte die erste Vorsitzende des Vereins, Elisabeth Steiff, zur Eröffnung ihres Festvortrages, und ging, unterlegt mit Sätzen aus Erich Frieds Gedicht „Letzter guter Rat“, nicht nur auf den Sinn der Sterbe- und Trauerbegleitung, sondern auch die Entwicklung der Hospizbewegung seit November 2001 ein. Es gebe kein richtiges oder falsches Lebenskonzept, und das gleiche gelte für den Tod. Da sich allerdings die Bewältigung des Sterbens einerseits um Schmerz und dessen Linderung, andererseits um Alleinsein und Begleitung drehe, setze ein „glücklicheres“ Sterben in Bewusstheit und Intensität entsprechende Bedingungen voraus, und der Zweck der Hospizbewegung liege darin, Menschen in der letzten Phase mit „Verständnis von Leben, Leiden und Sterben“ beizustehen. Die sensible Wahrnehmung der Bedürfnisse des Gegenübers bilde dabei den Ausgangspunkt für die heute 27 Hospizbegleiter/-innen, die in Qualifizierungskursen und Praktika vorbereitet sowie ihrerseits von Koordinatorinnen begleitet werden. Ihre Leistungen würden von Sterbenden wie auch Trauernden mit tiefer Dankbarkeit gewürdigt.

Im Hinblick auf die Schmerzlinderung stelle die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) für den Verein eine Herausforderung dar, die vor allem durch die Kooperation mit Dr. Nolte und seinem Team in Wiesbaden (wir berichteten) zu bewältigen sei; besonderen Dank sprach Steiff in diesem Zusammenhang der Koordinatorin und SAPV-Pflegekraft Ute Eisele-Renkewitz aus, die durch ihr großes Engagement maßgebliches beigetragen habe. Die wachsende Akzeptanz in der Bevölkerung lasse sich nicht nur an den seit 2002 von ca. 20 auf heute über 90 Begleitungen, sondern auch inzwischen insgesamt über 225 Mitgliedern des Vereins festmachen, sagte Steiff. Der von katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam gegründete und bis heute von diesen getragene Verein verfügt seit 2007 über ein eigenes Büro mit kleiner Bibliothek im Idsteiner Haus der Kirche im Nassauviertel und hat seit 2009 auch eine eigene Homepage (www.hospizbewegung-idstein.de).

„Mut, Kraft und Einfühlungsvermögen erfordert diese Tätigkeit“, sagte Bürgermeister Gerhard Krum in seinem anschließenden Grußwort. Die Hospizbewegung Idstein sei eine ökumenische, interkommunale, weitgehend ehrenamtliche und vor allem segensreiche Veranstaltung: „Die Menschen sind froh, dass es sie gibt“.

Landtagsabgeordneter Marius Weiß lobte in seinem Grußwort die Entscheidung, das Jubiläum drei Tage lang zu feiern, denn es sei wichtig, durch entsprechende Öffentlichkeit auch denen ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen, die durch soziale Isolierung praktisch nicht
mehr wahrgenommen werden, und mehr junge Menschen zum Bundesfreiwilligendienst zu motivieren, der entsprechende Tätigkeiten umfasst.
Den humoristischen Glanzpunkt dieses Abends lieferte anschließend die „Clownin Sophia Altklug“, alias Dr. Kristin Kunze aus Köln, die die Besucher eingangs bereits abgestaubt hatte. Als Schul-Zauberdrachenkind mit anrührend kindlichen Allüren und für das wahre Alter der Darstellerin erstaunlicher Beweglichkeit schilderte sie unter anderem die Weisheiten ihrer wegen vieler Falten „vielfältigen“ Oma und deren Rezept für eine „Mutsuppe“ mit Humor, Klarheit und Neugier sowie Gewürzen wie Scharfsinn, Frohsinn und Unsinn.

 

Aktueller Bericht aus dem Koordinatorenteam

Das Jahr 2011 ist nicht nur das Jubiläumsjahr der Hospizbewegung im Idsteiner Land, sondern schreibt auch Geschichte mit einer jetzt vertraglich gesicherten Kooperation für die spezialisierten Palliativversorgung.
Die durchweg positive Entwicklung des Vereins Hospizbewegung im Idsteiner Land hat neben einer auf der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Ebene sehr engagierten und professionell geleisteten Arbeit , einer strukturierten Öffentlichkeitsarbeit sicherlich auch etwas mit der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung zu tun.
Zum einen wird das Thema Tod und Sterben mehr und mehr auch in der Öffentlichkeit, in Fernsehsendungen , in Universitäten und Schulen
diskutiert; zum anderen werden immer mehr Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung aus der Klinik entlassen und wollen gern im häuslichen
Umfeld bleiben. Da wird dann sehr dringend der Aufbau eines  funktionierenden Netzwerkes, die kontinuierliche und verlässliche Unterstützung und Begleitung aller Betroffenen in einem Team benötigt.
Ein wichtiger Baustein in diesem Bemühen belastende und immer wieder kehrende Krankenhauseinweisungen bei gesundheitlichen oder psycho-sozialen Krisen zu vermeiden ist eine gute Zusammenarbeit mit den behandelnden Hausärzten. Wenn der Verlauf einer Erkrankung viele Arzthausbesuche und ein spezielles Arztwissen (Palliativmedizin) und eine ständige Rufbereitschaft (24-Stunden) notwendig macht, gibt es seit dem 01.07.2011 eine enge Zusammenarbeit des Hospizdienstes mit dem Zentrum
für spezialisierte ambulante Palliativversorgung (ZAPV) in Wiesbaden. (Palliativ = ummanteln).
Was bedeutet dies für die Praxis? Die Koordination von ehrenamtlichen Hospizbegleitern und die Versorgung im Palliativ-Care-Bereich liegen
in einer Hand und es gibt eine Anlaufstelle mit einer Handynummer

0171 / 830 80 82.

Der Ruf wird immer von einer der beiden im Hospizverein angestellten Hospiz- und Palliativcare-Pflegefachkräfte (PCFK) entgegengenommen,
gegebenenfalls an den Palliativmediziner zurückgemeldet und zeitnah beantwortet.
Ein Arzt aus dem Palliativ-Team kommt regelmäßig nach Idstein zum Patientenbesuch und ist auch rund um die Uhr von der PCF-Kraft erreichbar.
So ist der Patient und auch seine Familie in einer Sicherheit bietenden Versorgung.
Verordnungen können auf kurzem Wege modifiziert und ausgeführt werden, teure Medikamente werden außerhalb des Hausarztbudgets leichter verordnet. Dabei bleibt der Hausarzt als vertraute Person im Versorgungsnetz bestehen – auch nachdem er die Verordnung für eine spezielle ambulante Palliativversorgung ausgefüllt hat.
Eine wichtige Masche im Netz ist auch die Krankenpflegeperson /
Pflegedienst in der häuslichen Pflege oder auch im Alten-Pflegeheim. Eine enge Zusammenarbeit in der jeweiligen Versorgung und eine vertrauensvolle Kommunikation mit der PCF-Kraft gibt der Familie weitere Sicherheit.
In diesem Jahr sind bereits 20 schwerstranke Menschen mit dem Team von ZAPV (Dr. Nolte) und der Hospizbewegung betreut worden.
Spannend wird sein, wie sich die SAPV Versorgung immer weiter etabliert und die Hospizarbeit in guter Weise ergänzt.

Das Verhältnis von Begleitungen zuhause und in stationären Einrichtungen ist zunächst noch gleichbleibend 6:4 in den vergangenen Jahren.
Um möglichst viele schwerstkranke und sterbende Menschen begleiten zu können - jetzt auch verstärkt in allen umliegenden Alten- und Pflegeheimen
- und um den ehrenamtlichen Hospizbegleitern die notwendige Pause nach einer Begleitung zu ermöglichen, werden in unserem Verein immer wieder neue ehrenamtliche Hospizbegleitern ausgebildet, zur Zeit wieder 11 Frauen
(Männer fehlen diesmal).
Das Ziel der Qualifikation ist im Wesentlichen eine Auseinandersetzung mit Sterben, Tod & Trauer, die Selbsterfahrung und die Aneignung einer eigenen
Haltung. Die Person, die dem Sterbenden im übertragenen Sinn „die Hand hält,“ muss um ihre Rolle wissen, selbst gefestigt sein und ihre Haltung
dem Sterbenden und dem Tod gegenüber reflektieren können. Nur so kann sie die Begleiterin sein, die Ruhe, Empathie und Wärme ausstrahlt und die Offenheit für die ganz individuellen Bedürfnisse mitbringt. Es ist ihre Aufgabe, immer wieder die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, Stimmungen aufzunehmen und zu überlegen, wie auf die Situation reagiert werden kann. Manchmal sind ganz kreative Lösungen und Angebote gefragt.

Hospizbegleitung ist sicherlich ein ganz besonderes Ehrenamt, das auch in
hohem Maße die Begleiter wachsen lässt.
Hospizbegleiter verschenken ihre Zeit und tragen dadurch dazu bei,
dass Menschen bis zuletzt Würde erfahren und zuhause sterben dürfen.
Sie sind mit ihrer Nähe zu den Betroffenen nach wie vor ein zentrales
Element, die Seele der Hospizarbeit
– sie sind die Sterne am Himmel
– wie ich immer gern sage.

Wir brauchen nach wie vor die "Bürgerbewegung Hospiz“ und ehrenamtlich
engagierte Menschen.
Trotz der Entwicklung hin zu immer mehr professionellen Teams sollen sie weiterhin als kostbare Begleiter einen wichtigen Platz in diesem Team einnehmen.
Dafür möchte ich mich auch in den nächsten Jahren weiterhin einsetzen.

Ute Eisele-Renkewitz
Hospiz- und Palliativ-Pflegefachkraft
Koordinatorin

Jubiläum

10 Jahre 

Hospizbewegung im Idsteiner Land e.V.

 

18.-20. November 2011

Gerberhaus Löhrenplatz, Idstein

 

 

 

 

 

Geburt, das Kommen

aus der Liebe.

Tod, das Zurückgehen

in die Liebe.

Der Zwischenraum, unser Leben

ein Geschenk um diese Liebe

in unseren Seelen zu entfalten.

Ursa Paul

 

 

 

 

    

 

Festprogramm im Gerbenhaus

Zum Vergrößern bitte das Festprogramm anklicken!